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Peter Paul Jacob Hodiamont
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Peter P. J. Hodiamont

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Alter Ego - Studium & Heimat


Mit dem STUDIUM scheint es sich zu verhalten wie mit anderen Lebensbereichen: Nicht die Länge einer Bekanntschaft, Partnerschaft, sondern die Intensität bestimmt ihren Wert. Ein 14-semestriges akademisches Kunststudium bewirkt bei vielen weniger als einige Wochen Rußland-Aufenthalt bei Ernst Barlach.

Otto Pankok, dieser Mensch- und Zigeunerfreund holte uns wie Jesus seine ersten Jünger: Wir ließen alles zurück, das Studium für das künstlerische Lehrfach, und folgten ihm. In dieser Zeit wurde meine große Zuneigung zu Randgruppen, Zigeunern, Asylanten, Nicht-Abendländern geboren.

Es war die Nachkriegszeit des Hungerns und Frierens, der kargen Studentenbuden, deren Miete ich durch Bemalen von Flaschen bezahlte. Es war die Zeit der immateriellen, wahren Freundschaften; sechs Tage Kunst-Akademie, sonntags Museumsbesuch, kein Geld, das Fahrzeug war die Linie 11. Die Ateliers am Rhein waren ungeheizt, Trümmer und Eisen lagen in dem klassizistischen Schadow-Haus.

Alles, was die Wahnsinnigen nicht zerstört hatten, wurde in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Meine Bildnisse von damals verraten den starken Eindruck, den Kirchner, Nolde und Dix auf mich machten. Ich liebe sie heute noch, die gradlinigen Maler des Widerstandes und der Kraft.

Das Bildnis mit rotem Schal und grüner Mütze malte ich in eisigkalter Bude auf Karton, an meinem Geburtstag 1947.

Jeder Künstler hat sicher eine stärkste Zeit. Es ist das Stadium, in welchem die drei Kräfte, auf die der Schöpfer uns angelegt hat, in gleicher Weise wirksam sind: die anima, die Seele, die ratio, der Verstand und gutes handwerkliches Vermögen. Heute frage ich mich bisweilen, ob diese Jahre in meiner Kunst die wesentlichsten waren. Der Hunger nach Freiheit und freier Äußerung, der Ernst, mit dem das Studium eingehalten wurde, die wesentlichen Inhalte der Gespräche, die Dürftigkeit in materieller Hinsicht, Begegnungen mit dem "Kommödchen" und Gustav Gründgens, die Freuden der ersten Karnevalsfeiern in den Akademiekellern bestimmten unseren Alltag und zeichneten die Selbstbildnisse.

Wie ich bereits vorher den Begriff Familie definierte, fragte ich mich damals, was HEIMAT sei. Einige Jahre Elternhaus, Klosterschule an zwei verschiedenen Orten, nun Düsseldorf, pendelnd zwischen Münsterland und Rheinland. Damals war meine Heimat das Atelier Nr. 13 in der Eiskellerstraße.

Dann ging's weiter nach Aachens Osten, zum Westen, Hausbau, Atelier in Zeeland (Holland), seit 20 Jahren Atelier in Belgien, Haus in Arles, im Land meiner Liebe.

Aber Heimat, wo ist sie für einen Künstler, der überall Ausländer war: als ein in Deutschland geborener Holländer mit hugenottischem Namen und Ateliers in D, B und F bin ich ohne Zweifel Maasländer oder Limburger.

Heimat war Düsseldorf während der Zeit meines Studiums nie: diese Stadt mit der künstlich zurechtgebastelten Altstadt, in der man sich des Plattdeutschen schämt, voller zugereister Regierungsmenschen, von denen die meisten sich überschätzen. Nicht einmal dieser Freigeist Heine macht mir die wenigen Liebenswürdigkeiten sympatischer: den Jan Wellem, die Akademie, den Ehrenhof mit Hofgarten. Meine Heimat ist die Provinz.
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