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Peter Paul Jacob Hodiamont
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Peter P. J. Hodiamont

1925-1936
1937-1940
1941-1945
1946-1979
1979-2004

zum 70. Geburtstag
von Freunden ...

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Vorwort zum Buch
»Peter Hodiamont 70 Jahre«



Jeder Mensch kennt die lichten und dunklen Stunden des Lebens. Es gibt sie täglich - in den hellen danke ich Gott und der Mutter unserer Kinder für diesen Reichtum so vieler gesunder Kinder und Enkel; meiner Frau Maria für lange Jahre Partnerschaft und das Wagnis, mit einem so schwierigen Menschen Tage und Nächte zu teilen. So empfinde ich es vor allem, wenn ich aus der Nacht des Schweigens erwache und glücklich bin, arbeiten und leben zu können.


P. P. J. Hodiamont im Atelier

Die düsteren Stunden nagen an meinem Gewissen: gab ich zu jeder Zeit den Kindern, den Partnern und den zahlreichen Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, das Beste? In welchem Maße war mein Bemühen in der Kunst, im Handwerk und in den Schulen auf den anderen gerichtet? Wieviel dieser Arbeit war Eigenliebe? Bin ich überhaupt immer ein wenig vorangekommen bei diesem rastlosen Werk? Trat ich nicht jahrelang auf der Stelle? Alle schöpferischen Menschen kennen diese quälenden Fragen.

Es war der "Geist, der alles bewegt", der mich immer wieder neu beginnen ließ. Dafür ist dem Schöpfer zu danken, ohne den ich nichts Neues und Entscheidendes versuchte.

Nach dem Lesen der Beiträge dieses Buches hatte ich ein Gefühl der Dankbarkeit den Freunden gegenüber, die sich alle von ihrer Sicht aus mit demselben Objekt befaßten. Welch ein Ansinnen!

Es ist das Verdienst meiner Frau Maria, die jedem einzeln schrieb und alles in die Wege leitete.

Jeder Autor befaßte sich mit der Wahrheit, seiner Wahrheit. Es ist ein gutes Werk geworden, und allen danke ich für die schwierige Aufgabe. [...] Ich hoffe, daß die Autoren, die dieses Buch so abwechslungsreich und unterhaltsam machten, zufrieden sind mit sich und mir.



Peter P. J. Hodiamont
Die erste Begegnung


Es mußte etwas anderes geben als dieses endlose Meer, in dem ich seit vielen Jahren lebte.Oftmals vollführte ich Luftsprünge. Aus dem salzigen Meerwasser schnellte ich in die Luft empor, neugierig nach wärmender Sonne, manchmal nach Regentropfen schnappend.

Ich bemerkte die Vögel über mir und die großen Schiffe. Eines Tages sah ich den Maler. Er saß regungslos am Strand und schaute auf das Meer. Er mußte mich bemerken! Konnte er mir Antwort geben auf die vielen Fragen, die mir das Meer niemals erklären würde? Ich schnellte hoch. Ja, er sah mich! Winkend hob er die Hand. Wenn mir ein Sprung besonders gelang, lachte er und ich freute mich. Während des Tages spielten wir dieses Spiel oft. In der Nacht träumte ich von Mond- und Sonnenschein und von den vielen hellen Lichtern am Himmel, die die Menschen Sterne nennen. Am Morgen stand der Maler wieder am Ufer, rauchte seine Pfeife und sah mir zu. So wurden wir Freunde.

Einmal spülte mich die Flut vor seine Füße. Wir erschraken beide, uns so nahe zu sein. Er bückte sich, sprach mit mir in wundersamen Lauten. Ich kannte nur die Sprache des Meeres. Der Maler hatte eine warme Stimme. Sie umhüllte mich und ließ mich vergessen, daß ich nicht in meinem Element war. Ruhig blieb ich liegen, lauschte seinen Worten, deren Sinn ich nicht verstand. "Damit du nicht mehr so hoch springen mußt und ich dich besser sehen kann, gebe ich dir ein gelbes Kleid", sagte der Maler. Aus meinem Grau wurde ein strahlendes Gelb. Behutsam hob er mich auf und gab mich dem Meer zurück. Von dieser Stunde an, seit dieser Begegnung mit dem Menschen, fand ich meine Heimat nicht mehr wieder. Um mich herum blieben die tosenden Wasser, die Artgenossen, die mich zum Spiel lockten; ich aber wurde ihnen fremd. Ich wußte nun, es gab etwas anderes. Meine Sprünge wurden immer höher, meine Sehnsucht nach Wärme und Sonne immer größer, und wenn ich den Maler dann sah, fühlte ich mich frei und glücklich. Es würde die Zeit kommen wo ich das Meer verlassen würde! Ich hoffte auf die Flut. Sie kam. Mich ihr hingebend, spülte sie mich zu ihm an den Strand. "Ich möchte bei dir bleiben", bat ich ihn, "verstehen was du tust, dir beim Malen zusehen und dir zuhören." Er nahm mich auf seine Arme, lächelte mich an, nannte mich "Gelber Fisch" und brachte mich in sein Haus.


Der gelbe Fisch, 1970, 1980, 90 x 120 cm, Öl auf Leinen

Mein gelbes Kleid, das bei dem Aufenthalt im Meer schon etwas von seinem Strahlen verloren hatte, wurde erneuert. Zärtlich trug der Maler die Farbe auf, um meine Schuppen nicht zu verletzen, und ich war leuchtender als zuvor. Meine Flossen wurden zu Fächern. Oft saß er neben mir, rauchte seine Pfeife, trank den roséfarbenen Wein, der im Becher funkelte, und erzählte mir aus seinem Leben. Das waren unsere Stunden.

Sooft er mir eine Geschichte erzählte, malte er auf mein Kleid ein kleines rundes Fenster.

"Damit gebe ich die Geschehnisse, die mein Leben ausmachen und mir wichtig sind, in deine Obhut", sagte er, indem er ein kleines Fenster öffnete und seine Geschichte in mich hineinlegte.

In langen Jahren saßen wir oft zusammen. Ich kannte sein Leben nun und behütete es in mir. Manchmal öffnete er eines dieser kleinen Fenster und holte eine Geschichte heraus. Dann saß er rauchend da und trank den Wein. Es war still.An das Tosen des Meeres konnte ich mich kaum erinnern. Einmal fragte mich der Maler, ob ich Sehnsucht nach meinem Element verspüren würde. Ich fächelte leicht mit meinen Fächerflossen und schloß mein großes Auge. Das bedeutete, ich wollte bei ihm bleiben. Er verstand mich. Wir waren unzertrennliche Freunde geworden - ein Maler und ein gelber Fisch.

aus: Peter Hodiamont - 70 Jahre M. - 1979-1995
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